Über Multitalente, Scanner und Vielbegabte

Du hast einen unstillbaren Wissensdrang? Kannst dich schnell für Neues begeistern? Du kannst dich zwischen vielen verschiedenen Interessen und Hobbies oft nicht entscheiden? Dir fällt es schwer, dich auf eine Sache festzulegen und dran zu bleiben? Dann bist du vielleicht auch eine Scanner-Natur. Scanner zeichnen sich durch ihre Neugier aus und die Kreativität, mit der sie ihre vielfältigen Ideen und Projekte anfangen (und manchmal sogar beenden).

Einblicke in ein Scanner-Leben

Wer mich kennt, oder selbst Scanner ist, weiß was ich mit „und manchmal sogar beenden“ meine. Für den Rest gibt’s eine kleine Scanner-Kostprobe aus meinem Leben: links neben mir steht gerade ein Klavier, auf welchem ich alle paar Monate mal ein Stück lerne. Gegenüber steht eine Gitarre, auf der ich exakt ein Lied spielen kann, da ich mir vor drei Wochen sicher war, dass ich Gitarristin werde. Mein Bettrahmen liegt auf dem Boden, weil ich die Beine nie angebracht habe und im Schrank hinter mir findet man Farben, Bilderrahmen, Bastel- und Nähsachen, Fahrradwerkzeug, … Eben alles, was man bräuchte, um meine Ideen umzusetzen (oder eben nicht). Ich habe neulich eine Liste mit allen Berufen geschrieben, die ich jemals werden wollte. Hallelujah. Und dann gibt es noch einen Haufen Hobbies, die ich am liebsten alle gleichzeitig machen würde, sie reichen von Tanzen über Boxen bis zu Volleyball und Yoga.

Laster oder Stärke?

Scanner neigen aufgrund ihrer hohen Begeisterungsfähigkeit dazu, sich von so vielen Themen anziehen zu lassen, dass sie ein begonnenes Projekt unvollendet liegen lassen oder erst gar nicht damit angefangen, da sie sich einfach nicht entscheiden können, was sie zu erst machen wollen. Das hört sich nicht nur anstrengend an – das ist es auch – aber nur, wenn man noch nicht weiß, wie man seine Vielbegabung als Stärke leben kann.

Doppelagent oder doch Serienspezialistin?

Ob du eine Scanner-Persönlichkeit bist, kannst am besten du selbst einschätzen. Klick dich durch die folgenden Scanner-Typen durch, vielleicht erkennst du dich selbst in einem oder mehreren wieder. Ich habe mich bemüht, sie kurz und knapp zusammenzufassen, damit du einen Überblick bekommst. Die Typen-Aufteilung habe ich aus dem Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ von Barbara Sher (lege ich jedem Scanner ans Herz). Falls du also mehr zu dem jeweiligen Typen wissen möchtest, sei auf das Buch verwiesen (oder du meldest dich bei mir 🙂 ).

[metaslider id=178 cssclass=““]

Vom „falsch“ sein…

Lange Zeit wusste ich nicht, dass es Scanner gibt. Ich hatte oft das Gefühl, falsch zu sein, weil ich mich einfach schwer auf eine Sache konzentrieren konnte. Und damit meine ich nicht die Konzentration, die ich sehr wohl an den Tag legen kann, wenn mich etwas brennend interessiert. Nein, ich meine damit, dass es mich langweilte und gleichzeitig unter Druck setzte, wenn ich daran dachte, endlich die eine Sache finden zu müssen, die mir für immer Spaß macht und in der ich richtig gut werde. Beruflich und privat. Was für andere das Ziel des Lebens ist, löste in mir ein beklemmendes Gefühl aus. Ich hatte Selbstzweifel, nichts so richtig gut zu können und nichts zu Ende zu bringen und hielt gleichzeitig an vielen Dingen in meinem Leben zwanghaft fest, um mir zu beweisen, dass ich es konnte. Ich kann wirklich sehr diszipliniert sein. Aber es macht mich nicht glücklich.

…zum „besonders“ sein

Es ist nun ein halbes Jahr vergangen, seit ich das erste mal den Begriff „Scanner“ gehört habe. Lustigerweise ist mir erst durch ein Gespräch aufgefallen, dass nach dem anfänglichen Gehirn-Chaos jetzt total viel Freude und Leichtigkeit in mein Leben als vielbegabter Mensch gekehrt ist. Es spielt für mich gar keine große Rolle mehr, was ich anfange und was ich zu Ende bringe. Ich lebe meine Kreativität aus, ohne sie zu hinterfragen und reibe meine neusten Erkenntnisse und Ideen gerne jedem unter die Nase, der mir den Weg kreuzt. Wer mit den Augen rollt,
bekommt von mir ein breites Grinsen zurück.


Tipps aus meiner Erfahrungsschatzkiste

  1. Die Erleuchtung
  2. Der erste Step ist zugleich der allerwichtigste: Du erkennst deine Scanner-Natur und auch, dass du nicht der einzige Mensch mit dieser Herausforderung a.k.a Gabe bist. Nun geht es darum, diese bunte Seite an dir anzunehmen und sie lieben zu lernen. Ich hatte mir zum Beispiel ein Projekttagebuch angelegt, in das ich jeder neuen Idee eine große Doppelseite spendiert habe, mit Bildern, Plänen, Rechnungen, eben allem, was man benötigt, um das Projekt umzusetzen. Das hat mir dabei geholfen, jede Idee zu würdigen. Ich konnte erkennen, welch krassen Ideenreichtum ich habe und besser abwägen, ob ich ein Projekt wirklich umsetzen will. Oft hatte ich nach 2 Tagen Projektbucheintragung schon wieder was Neues, Interessanteres gefunden.
  3. Verstehen und Verstanden werden
  4. Umgib dich mit Menschen, die dich so schätzen, wie du bist. Für die du dich nicht verbiegen musst und die dich gerade wegen deiner Vielfalt lieben. An dieser Stelle ein Hinweis: Gib den Menschen auch die Chance, dich zu verstehen und habe Verständnis für sie, denn sie sehen die Welt durch eine andere Brille als du. Kommuniziere offen und ehrlich: Ich dachte zum Beispiel ganz lange, dass meine Eltern von mir erwarten, Dinge zu Ende zu bringen und als ich ihnen dann eher vorwurfsvoll an den Kopf knallte, dass ich jetzt weiß dass ich ein Scanner bin und es nicht in meiner Natur liegt, alles zu vollenden, sahen sie mich an und meinten: „Das wissen wir doch, so bist du doch schon immer und wir erwarten das überhaupt nicht.“
  5. Buddies
  6. Suche Gleichgesinnte, in lokalen Gruppen, in Online-Communities (wie dieser Facebookgruppe) oder tausch dich mit Menschen aus, die auf dich wie Scanner wirken. Ihr könnt euch austauschen und unterstützen, denn ihr habt ähnliche Herausforderungen zu meistern und könnt euch daher auf einer ganz anderen Ebene verbinden. Sich mit Leuten zu treffen, die mindestens genauso viele Interessen und Ideen haben, ist total beflügelnd.
  7. Zeig dich in all deinen Farben
  8. All die Tipps uns Tools können ihre Wirkung jedoch nur entfalten, wenn deine Einstellung dazu passt. Ein Multitalent zu sein, ist eine wundervolle Begabung, jedoch können wir nicht erwarten, dass sie von anderen gefeiert wird, wenn wir sie selbst nicht lieben. Meine größte Liebeserklärung an meine Vielbegabung war es, sie auszuleben und allen zu zeigen. Mich nicht zu verstecken, sondern der Welt zu offenbaren. Daher ist mein allergrößter Tipp an dich: Zeig dich mit all deinen Interessen. Zeig dich mit all deinen Talenten.

Zeig dich in all deinen Farben!
Die Welt wartet nur darauf – du wirst schon sehen. 🙂

3 Antworten

  1. Liebe Farina, du schreibst mir in dem Artikel komplett aus dem Herzen!
    Ich habe mich erst vor wenigen Tagen mit meiner Vielbegabung auseinandergesetzt und bin überglücklich, dem Kind endlich einen Namen geben zu können. Das erste Mal fühle ich mich nicht falsch oder unzulänglich, sondern genau richtig. ♥

  2. Hallo Farina, das ist ein toller Artikel, genau der richtige Mix und nicht langatmig oder ausufernd. Da erkenne ich mich wieder und es tut richtig gut das zu lesen. Danke dafür und danke für deine Energie! =)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.